EtherCAT real-time Ethernet - acontis technologies |
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1. Einleitung
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Feldbusse sind aus der Automatisierungstechnik nicht mehr wegzudenken. Sie haben sich bewährt und sind etabliert. Erst durch die Feldbus-Technik wurde der Einsatz der PC-basierten Steuerungen auf breiter Front sinnvoll möglich. Während die Steuerungs-CPUs – speziell bei IPCs – rasant an Performance gewinnen, wirken die herkömmlichen Feldbussysteme zunehmend als „Flaschenhals“ und begrenzen die erreichbare Leistungsfähigkeit der Steuerungssysteme. Hinzu kommt die geschichtete Steuerungsarchitektur mit mehreren unterlagerten meist zyklischen Systemen: die eigentliche Steuerungstask, das Feldbussystem und ggf. noch lokale Erweiterungsbusse im I/O System oder einfach nur der lokale Firmwarezyklus im Peripheriegerät. Dadurch werden Reaktionszeiten erreicht, die typisch das 3-5fache der Steuerungs-Zykluszeit erreichen – eine unbefriedigende Lösung (siehe Bild 1). |
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Bild 1: Reaktionszeit herkömmlicher Feldbussysteme |
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Oberhalb der Feldbussysteme, zur Vernetzung von Steuerungen, ist Ethernet schon lange Stand der Technik. Neu ist der Einsatz auch auf der Antriebs oder A/E-Ebene und damit in dem Bereich, der bislang den Feldbussystemen vorenthalten blieb. Hier sind hohe Echtzeitfähigkeit, Eignung auch für kleine Datenmengen und natürlich günstige Kosten gefragt. EtherCAT trägt diesen Forderungen Rechnung und stellt gleichzeitig die Internet Technologien auch auf der E/A-Ebene zur Verfügung. |
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1.1 Ethernet und Echtzeitfähigkeit
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Es gibt viele verschiedene Ansätze, mit denen Ethernet echtzeitfähig gemacht werden soll: so wird z.B. das Zugriffsverfahren CSMA/CD durch überlagerte Protokollschichten außer Kraft gesetzt und durch ein Zeitscheibenverfahren oder durch Polling ersetzt; andere Vorschläge sehen spezielle Switches vor, die Ethernet Pakete zeitlich präzise kontrolliert verteilen. Diese Lösungen mögen Datenpakete mehr oder weniger schnell und exakt zu den angeschlossenen Ethernet Knoten transportieren – die Zeiten, die für die Weiterleitung zu den Ausgängen oder Antriebsreglern und für das Einlesen der Eingangsdaten benötigt werden, sind jedoch stark implementierungsabhängig. |
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2. EtherCAT Funktionsprinzip
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Mit der EtherCAT Technologie werden diese prinzipiellen Begrenzungen anderer Ethernet Lösungen überwunden: das Ethernet Paket wird nicht mehr in jeder Anschaltung zunächst empfangen, dann interpretiert und die Prozessdaten weiterkopiert. Die EtherCAT Slave-Geräte entnehmen die für sie bestimmten Daten, während das Telegramm das Gerät durchläuft. Ebenso werden Eingangsdaten im Durchlauf in das Telegramm eingefügt (siehe Bild 2). Die Telegramme werden dabei nur wenige Nanosekunden verzögert. |
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Bild 2: Prozessdaten werden in Telegramm eingefügt |
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Da ein Ethernet Frame sowohl in Sende- als auch in Empfangsrichtung die Daten vieler Teilnehmer erreicht, steigt die Nutzdatenrate auf über 90% an. Dabei werden die Voll-Duplex Eigenschaften von 100BaseTx vollständig ausgenutzt, so dass effektive Datenraten von >100Mbit/s (>90% von 2 x 100 Mbit/s) erreichbar sind (siehe Bild 3). |
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Bild 3: Bandbreiten-Nutzung im Vergleich |
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Das Ethernet Protokoll gemäß IEEE 802.3 bleibt bis in die einzelne Klemme erhalten, der Sub-Bus entfällt. Lediglich die Übertragungsphysik wird im Koppler von Twisted Pair bzw. Lichtleiterphysik auf E-Bus (ein alternativer Ethernet Physical Layer: LVDS nach [4,5]) gewandelt, um den Anforderungen der elektronischen Reihenklemme gerecht zu werden. Die Signalform innerhalb der Klemmenreihe (E-Bus) eignet sich für kurze Strecken – bis 10 m – auch zur Übertragung auf verdrillter Zweidrahtleitung. Damit kann die Klemmenreihe besonders kostengünstig verlängert werden – wobei der anschließende Wechsel auf Ethernet jederzeit möglich ist. |
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3. EtherCAT Eigenschaften
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3.1 Protokoll
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Das für Prozessdaten optimierte EtherCAT Protokoll wird dank eines speziellen Ethertypes direkt im Ethernet-Frame transportiert. Es kann aus mehreren Sub-Telegrammen bestehen, die jeweils einen Speicherbereich des bis zu 4 Gigabyte großen logischen Prozessabbildes bedienen. Die datentechnische Reihenfolge ist dabei unabhängig von der physikalischen Reihenfolge der Ethernet-Klemmen im Netz, es kann wahlfrei adressiert werden. Broadcast, Multicast und Querkommunikation zwischen Slaves sind möglich. Die Übertragung direkt im Ethernet-Frame wird stets dann eingesetzt, wenn EtherCAT-Komponenten im gleichen Subnetz wie der Steuerungsrechner betrieben werden. |
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Bild 4: EtherCAT: Standard Frames nach [3] |
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EtherCAT verwendet ausschließlich Standard Frames nach [3] – sie werden nicht verkürzt. Damit können EtherCAT Frames von beliebigen Ethernet Controllern verschickt werden (Master), und Standart Tools (z.B. Sniffer) können eingesetzt werden. |
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3.2 Topologie
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Linie, Baum oder Stern: EtherCAT unterstützt nahezu beliebige Topologien (siehe Bild 5). Die von den Feldbussen her bekannte Bus- oder Linienstruktur wird damit auch für Ethernet verfügbar. |
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Bild 5: flexible Topologie: Linie, Baum oder Stern |
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Die Fast Ethernet Physik erlaubt eine Leitungslänge von 100 m zwischen zwei Teilnehmern, die E-Bus Leitung ist für Abstände bis 10m vorgesehen. Für jede Leitungsstrecke kann die Signalvariante individuell ausgewählt werden. Da bis zu 65535 Teilnehmer angeschlossen werden können, ist die gesamte Netzausdehnung nahezu unbeschränkt. |
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3.3 Verteilte Uhren
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Der exakten Synchronisierung kommt immer dann eine besondere Bedeutung zu, wenn räumlich verteilte Prozesse gleichzeitige Aktionen erfordern. Das kann z.B. in Applikationen der Fall sein, wo mehrere Servo-Achsen gleichzeitig koordinierte Bewegungen ausführen. |
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3.4 Performance
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Mit EtherCAT werden neue Dimensionen in der Netzwerk-Performance erreicht. Dank ASIC-Integration im Slave und DMA Zugriff auf die Netzwerkkarte im Master erfolgt die gesamte Protokollbearbeitung in Hardware und ist damit unabhängig von der Laufzeit von Protokollstacks, von CPU Performance oder Software-Implementierung. Die Update Zeit für 1000 E/As beträgt nur 30µs – einschließlich I/O-Durchlaufzeit. Mit einem einzigen Ethernet-Frame können bis zu 1486 Bytes Prozessdaten ausgetauscht werden - das entspricht fast 12000 digitalen Ein- und Ausgängen. Für die Übertragung dieser Datenmenge werden dabei nur 300µs benötigt. |
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3.5 Diagnose
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Die Erfahrungen mit Feldbussystemen zeigen, dass die Verfügbarkeit und Inbetriebnahmezeiten entscheidend von der Diagnosefähigkeit abhängen. Nur eine schnell und präzise erkannte und eindeutig lokalisierbare Störung kann kurzfristig behoben werden. Deshalb wurde bei der Entwicklung des EtherCAT Systems besonderer Wert auf vorbildliche Diagnoseeigenschaften gelegt. |
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3.6 CANopen over EtherCAT
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CANopen-Geräteprofile stehen für eine große Vielfalt von Geräteklassen zur Verfügung. EtherCAT kann die gleichen Kommunikationsmechanismen bereitstellen, wie sie von CANopen [9] her bekannt sind: Objektverzeichnis, PDO (ProzessDatenObjekte) und SDO (ServiceDatenObjekte) – selbst das Netzwerkmanagement ist vergleichbar. So kann EtherCAT auf Geräten, die bisher mit CANopen ausgestattet waren, mit minimalem Aufwand implementiert werden, große Teile der CANopen Firmware sind wieder verwendbar. Dabei lassen sich die Objekte optional erweitern, um der größeren Bandbreite von EtherCAT Rechnung zu tragen. |
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3.7 Ethernet over EtherCAT
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Bild 6: Transparent für TCP/IP |
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Die EtherCAT Technologie ist nicht nur vollständig Ethernet kompatibel, sondern „by design“ durch besondere Offenheit gekennzeichnet: Das Protokoll verträgt sich mit weiteren Ethernet-basierten Diensten und Protokollen auf dem gleichen physikalischen Netz – in der Regel sogar mit minimalen Einbußen bei der Performance. Beliebige Ethernetgeräte können innerhalb des EtherCAT-Strangs via Switchport angeschlossen werden. Die Ethernet Frames werden durch das EtherCAT Protokoll getunnelt, wie es im Internet üblich ist /z.B. VPN, PPPoE (DSL) etc.). Das EtherCAT Netzwerk ist dabei für das Ethernet Gerät voll transparent, und die Echtzeiteigenschaften werden nicht beeinträchtigt (siehe Bild 6). |
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Bild 7: TCP/IP Stack im EtherCAT Slave |
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EtherCAT Geräte können zusätzlich über einen TCP/IP Stack verfügen (siehe Bild 7) und damit nach außen wie ein Standard Ethernet Teilnehmer auftreten. Der Master fungiert dabei wie ein Layer 2 Switch, der die Frames gemäß der Adressinformation zu den entsprechenden Teilnehmern weiterleitet. |
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4 EtherCAT Technology Group
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Jeder soll EtherCAT nutzen und implementieren können. Für diesen Ansatz steht die EtherCAT Technology Group. In der ETG finden sich Endanwender aus unterschiedlichen Branchen, Maschinenhersteller und Anbieter von leistungsfähiger Steuerungstechnik zusammen, um die EtherCAT-Technologie zu unterstützen und zu fördern. Die Branchenvielfalt gewährleistet, dass EtherCAT für vielfältige Anwendungen optimal vorbereitet ist. Die Systempartner sorgen mit ihrem qualifizierten Feedback für die einfache Integration der Hardware- und Softwarebausteine in alle erforderlichen Geräteklassen. |
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Weitere Informationen über EtherCAT
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EtherCAT Technology Group |
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